Spacewalk

...bedeutet "Weltraumspaziergang". Dass so ein Spacewalk aber in Wirklichkeit gar nichts mit einem Spaziergang zu tun hat, konnten wir am 11.12.2018 live am Monitor verfolgen, als die beiden russischen Kosmonauten Oleg Kononenko und Sergey Prokopyev in einem 7 Stunden und 45 Minuten dauernden Einsatz die Sojous-Kapsel der Mission 56/57 von A. Gerst, S. Prokopjew und S. Chancellor reparierten.
Das wäre so, als ob wir von einem Bauarbeiter, der von 08:00Uhr bis 15:00Uhr Steine schleppt, Beton mischt, mit der Schaufel im Schlamm stochert und Pflastersteine verlegt behaupten, er wäre ja den ganzen Tag nur in der Natur umhergelaufen.
So ein Spacewalk wird auch als EVA (extra-vehicular activity) bezeichnet. Perfekte Planung wird vorausgesetzt. Keine Pause. Keine Nahrung. Nichts. Im dicken, fetten Raumanzug mit Atemgerät und eigener Atmosphäre. Der kleinste Fehler kann tödlich enden. Konzentration auf den Punkt und Verantwortung für das Leben anderer. Das ist kein Spaziergang!
90 Minuten Sonne und grell - 90 Minuten Nacht, schwarz und Kunstlicht.
Lest nach. Schaut Reportagen, folgt den täglichen Informationen der Astronauten (z.B. auf Twitter). Sie leisten Pionierarbeit in Medizin, Materialforschung, Biologie, Chemie, Physik, Geologie. Vielleicht schlägt die nächste Behandlung gegen Parkinson bei Opa Emil ja an, weil die entsprechenden Forschungsergebnisse aus der Schwerelosigkeit nun endlich auch unter Einfluss der Gravitationskraft umgesetzt wurden. Und vielleicht ist ja demnächst der Wirkungsgrad eurer Heizung deutlich höher, weil man jetzt mehr über den Zusammenhang zwischen Flammenbildung und Schwerkraft weiß. Ob Kleidung oder Instrumente für den Sport - selbst Teflonpfanne oder Akkuschrauber: Ohne die Forschungsergebnisse in der Schwerelosigkeit wäre unser heutiger Lebensstandard nicht denkbar.
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Die Sojous ist nicht dafür ausgelegt, dass an der Außenhülle Arbeiten im All ausgeführt werden. Mysterien wie diese - ein Bohrloch in der Außenwand (!) - sind auch nicht vorgesehen, weil deren Wahrscheinlichkeit doch gegen Null strebt. Zur Spurensicherung musste die äußere Schutzhülle mit gefährlichem Arbeitsgerät geöffnet werden. Im Vakuum in 400km Höhe bei 28000km/h. Die Ursache des Lochs ist noch immer ungeklärt, entstand es doch von innen nach außen und nicht durch den Hitzeschild.
Jedenfalls ist jetzt die Sojous-Kapsel zum Abkoppeln bereit und es bleibt zu hoffen, dass die Rückkehr der Astronauten reibungsfrei verläuft.
Gute Reise!